GRAŻYNA KANIA

 
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LIEBKOSUNGEN                                                                         zurück


GAZETA WYBORCZA Warszawa, 22.12.2003

Ohne Liebkosung
"Liebkosungen" von Sergi Belbel in TEATR WYBRZEŻE in Gdańsk Roman Pawłowski

Auf der Bühne (...) steht eine Insel aus Holz und Metall, die an die Architektur der modernen Wolkenkratzer erinnert. Kaltes Licht der Leuchtstoffröhren lässt keinen Schatten zu. Der Mensch wirkt in diesem Raum wie ein Patient auf einem Operationstisch.
(...) dieser asketische Raum, den die Regisseurin Grazyna Kania und der Bühnenbildner Vinzenz Gertler ausgesucht haben, ist ideal um sich die Figuren genau anzuschauen. (…)
(...) Wie soll man den Mangel an Emotionen im Theater zeigen, das per se auf Emotionen basiert? Diese halsbrecherische Aufgabe versuchen die Schauspieler mit einer zurückgenommenen, ja fast leidenschaftslosen Spielweise zu erfüllen. Auf dem Hintergrund brechen jedoch hin und wieder unkontrollierte Emotionen aus. (...) Trotz ungleichen Schauspiels verteidigen sich "Liebkosungen" sowohl als neue Art der Theatersprache, das von polnischer Theatersentimentalität gereinigt ist, als auch als Neuheit im Repertoire.

                                                                                                                                      

Gazeta Wyborcza Trójmiasto Nr. 298 (4509), 23.12.2003
Wo ist der Mensch?
Agata Kirol
(...) In Kanias Aufführung versuchen die Figuren das Problem von Verlorensein und Unglück in besonderem Raum zu lösen. In der Bühnenlösung von Vinzenz Gertler ähneln die Schauspieler Marionetten, ihr Raum ist ein abgetrennter Marmorbühnen-Käfig. Folgende Auftritte der Figuren in diesem Theaterlabor kündigen beeindruckende Bilder von Menschenmengen in einer Stadt, die auf einer Wand hinter der Bühne projiziert sind (...)
Erschreckende Leere und Langeweile erfüllt den Geliebten das Zubereiten eines Tropensalats, die sie scharf mit schmerzlichen Faust- und Absatzschlägen würzen. Kaum etwas bleibt übrig in den Kontakten der Eltern und Kinder. Man trifft auf die ganze mögliche Palette der Grausamkeit. (...) Den Schauspielern ist es gelungen die sensibelsten Seiten der Zuschauer zu berühren. (...)
In der Vorstellung erklingt oft ein Verzweiflungsschrei. Die Mehrheit der drastischen Szenen, wie zum Beispiel diese, in der ein Junge mit Erbarmungslosigkeit einen auf der Strasse schlafenden Mann zu Tode tritt und ihm einen Ehering abnimmt, beweisen, dass diese Menschen schon längst vergessen haben, worauf Liebe und Mitgefühl basieren. (...) In der Welt von "Liebkosungen" bleiben nur die lächerlichen Überreste menschlicher Gebärden. (...)

 

 

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